Der Sporty und die Zeltschule – oder warum Bildung alles ist

Von unseren Satteldecken bleiben uns regelmäßig bunte Reste vom allerfeinsten Tuchloden – es tut uns in der Seele weh, sie wegzuwerfen.

Um die Reste zu verwerten, designten wir also den Sporty, einen zuckersüßen töltenden Talisman.

Aber wer sollte die Sporties nähen? In Deutschland ist das nicht so einfach. Und irgendeine Billigproduktion kam nicht in Frage. Für einen Glücksbringer wollten wir irgendwas mit einem tieferen Sinn.

Seit vielen Jahren unterstütze ich privat immer wieder die Münchner Hilfsorganisation Zeltschule e.V. und verfolge mit Spannung ihre Arbeit. Ich mag den Verein sehr, weil mich die Logik seines Hilfskonzepts so überzeugt. Der unerschütterliche Optimismus und die pragmatische Menschenfreundlichkeit von Jacqueline Flory und ihren goldenen Mitstreiterinnen geht mir ans Herz und ermutigt mich.

Und weil ich mitbekommen hatte, dass sie mittlerweile die sogenannten Women’s Workshops betreiben, kam mir eine Idee…

Jetzt fange ich aber nochmal von vorne an und erzähle euch ein bissl von der Zeltschule.

Im libanesisch-syrischen Grenzgebiet über-leben seit bis zu 10 Jahren Hunderttausende syrische Flüchtlingskinder und ihre Familien in provisorischen Zeltstädten. Der libanesische Staat gestattet den Geflüchteten lediglich, auf seinem Boden zu existieren, leistet aber keine Hilfe in Form von jeglicher Organisation, Nahrungsversorgung, Wasser, Strom, Medizin und Schulbildung für die Kinder. Die Plätze für die Zelte müssen gemietet werden.

In Syrien selbst ziehen mehrere Millionen sogenannte Binnenflüchtlinge seit Jahren heimatlos durch ihr eigenes Land. Auch da werden die Kinder nicht unterrichtet. Schulgebäude waren bevorzugte Ziele der Bombardements im syrischen Krieg.

Unter diesen Umständen wächst die Generation, die nach dem Krieg ihr Land wieder aufbauen soll, im Analphabetismus auf und hat so keine Perspektive für die Zukunft und wird nebenbei leichtes Opfer für extremistische Gruppierungen.

Deshalb baut der Verein direkt in den Camps im Libanon oder in Kellern und Ruinen in Syrien aus einfachsten Mitteln Schulen und unterrichtet die Kinder dort mithilfe von syrischen LehrerInnen, die ebenfalls auf der Flucht sind und in den Camps leben. Der Unterricht findet in drei Schichten statt, damit alle Kinder unterrichtet werden können. Ich habe gehört, die Kinder sind so begeistert vom Unterricht, dass sich manche sogar öfter am Tag in die Schule mogeln wollen. Anwesenheitskontrolle ist also auch in den Zeltschulen wichtig.
Grundlage des Unterrichts ist der syrische Lehrplan. Unterrichtet werden fünf Fächer: Arabisch, Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften und Musik. Gerade das gemeinsame Singen und Tanzen hilft den Kindern sehr bei der Bewältigung ihrer Traumata.

Am Ende der neunten Klasse erhalten die Kinder einen gültigen Schulabschluss. Die Kinder gehen gerne in die Schule und lernen so fleißig, dass alle den Abschluss schaffen. Für die weiterführende Bildung setzt sich die Zeltschule auch ein und konnte schon Ausbildungsstellen oder die Unterbringung an libanesischen Privatunis vermitteln. Die Bildung und Befähigung der Kinder, aber auch die ihrer Eltern schafft Perspektiven und ist aktive Friedensarbeit und Terrorismus-Prävention in einem.


Die Zeltschule bietet zusätzlich Alphabetisierungskurse für Frauen, die in ihrer Heimat bisher keine Schulen besucht haben und so überhaupt erst einen Zugang zu schriftlicher Information und einer aktiven Teilnahme an der Gesellschaft erhalten. Nur durch Bildung und berufliche Kompetenzen können die RückkehrerInnen ein friedliches, stabiles und zukunftsfähiges Syrien wiederaufbauen.

Im Libanon dürfen die Geflüchteten kein Geld verdienen, weshalb den Familien nur ein Ausweg bleibt, um nicht zu verhungern: Sie müssen ihre Kinder zum Arbeiten schicken, denn Kinderarbeit ist eine Grauzone, die nicht geahndet wird. Sollen die Kinder also zur Schule gehen, muss der Verein die ganze Familie mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten, Kleidung und Feuerholz versorgen.

Neben den Schulen betreibt die Zeltschule direkt in den Camps die Women’s Workshops. Die Frauen lernen und pflegen hier Fertigkeiten, mit denen sie nach einer Rückkehr nach Syrien ihre Familie ernähren können. Viele der Frauen sind Kriegswitwen und sind weder kulturell noch emotional darauf vorbereitet, ihre Familien alleine zu ernähren.

Der Workshop bereitet die Frauen auf ein selbstbestimmtes, selbständiges Leben vor.
 Mit viel Liebe stellen sie Kleidung für sich und ihre Kinder her, gestalten aber auch Taschen, Schals und andere Accessoires, die der Verein mit nach Deutschland bringt und in seinem Onlineshop verkauft, um mit dem Erlös direkt wieder die Materialkosten des Workshops zu tragen.

Es gibt bereits lange Wartelisten von Frauen, die sich auch gerne am Workshop beteiligen und die Handarbeiten erlernen würden.

Und so komme ich wieder auf die Produktion unserer Sporties zurück:

Sie werden von den geflüchteten syrischen Frauen in den Women’s Workshops genäht! Das gibt ihnen neben finanzieller Unterstützung eine ganz konkrete Aufgabe und weitreichende Perspektive. Man hat mir erzählt, dass die Frauen riesig stolz sind auf ihren ersten kommerziellen Auftrag.

Wir beauftragten die Hilfsorganisation Zeltschule e.V. mit der Anfertigung unserer Sporties. Wir haben einen Stückpreis in der dreifachen Höhe des deutschen Produktionspreises vereinbart. Dafür bekommen wir eine ganz normale Rechnung gestellt.

Mit dem Kauf eines Sporties leistest Du einen wertvollen Beitrag zum Female Empowerment der Frauen auf ihrem hoffnungsvollen Weg zurück in die Heimat und zu einem würdevollen, selbstbestimmten Leben.

https://www.zeltschule.org/jetzt-helfen/zeltschule-women-s-workshop/

Wenn ihr mehr über die Arbeit der Zeltschule und Hintergründe der Flüchtlingsthematik erfahren und evtl auch wissen wollt, wie ihr euch ganz konkret an der Hilfe beteiligen könnt, dann gibt’s hier viel Spannendes zu lesen. Heißer Tipp: Jaquelines Podcast „Lage(r)bericht“ ist mega interessant und extrem ermutigend!
https://www.zeltschule.org/ueber-uns/unsere-arbeit/

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