Interview mit Marleen Stühler

Marleen Stühler und Helgi vom Berghof

Liebe Marleen, stell dich und dein(e) Pferd(e) doch einmal kurz vor:

Wo kommst du her, wie lange reitest du schon?

Ich komme aus dem schönen Wertheim/Sachsenhausen im lieblichen Taubertal. Mit sechs Jahren habe ich angefangen zu reiten. Ich wollte damals in den örtlichen Großpferdeverein, der war aber voll. Da schlug uns eine Bekannte einen kleinen Islandpferdehof vor, auf dem ich schon mal mit Unterricht beginnen und bleiben könnte, bis bei den Großpferden wieder was frei ist. Aber wie das so ist, wenn man einmal bei den Isis angefangen hat, dann bleibt man auch da. Bald wurden wir Einsteller.

Ich bin im unterfränkischen Kreuzwertheim am Main aufgewachsen. Als ich 12 war, sind wir mit sechs Isländern auf die Lindenhöhe gezogen, heute haben wir in unserem Stall zwischen 50 und 60 Pferde.

Wer war dein erstes Pferd? Erzähl uns was über ihn oder sie.

Marleen und ihr erstes Pferd Fáni

Mein erstes Pferd war Fannar frà Isafold, genannt Fàni. Ein wunderschöner Isabellwallach, mit dem ich jeden Unfug machen konnte. Und machte. Bei einem Kurs hatten eine Freundin und ich in der Abenddämmerung unseren Ponies Löwenzahn in die Mähnen geflochten und sind dann ohne Sattel und Trensen aber mit ausgestreckten Armen wie die Verrückten über die Bahn galoppiert. Bis der Reitlehrer rausgeschossen kam und uns zur Schnecke gemacht hat.

Im Sommer habe ich ihn immer mit Helm und Trense von der Koppel geholt, und wir sind zurückgaloppiert zum Stall. Die andere Richtung war weniger schlau, da hat er den Kopf zum Fressen runtergerissen, und ich bin – das einzige Mal – von ihm runtergeflogen. Fáni hatte ganz wenig Tölt. Antölten – 3 Meter Tölt – Austraben – Durchparieren – Neu Antölten.

Unser erstes Turnier war die DJIM 2000 in Wurz. Damals brauchte man noch keine Quali. Wir hatten keine Ahnung von Turnieren. Fáni und ich starteten in der V5 und T7 und waren schrecklich schlecht. Ich habe furchtbar geheult, weil ich immer die letzte war. Unter Protest habe ich dauernd gesagt „Fáni ist trotzdem das allerbeste Pferd der Welt“. Er war ein Herz und hat mir sehr viel Geduld beigebracht.

Zwei Jahre später bekam ich Geysir. Er hatte ganz viel Tölt und alles war viel einfacher. Nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass ich Geysir mittlerweile lieber ritt. So haben wir beschlossen, Fani zu verkaufen, dass er woanders wieder die Nummer Eins sein kann. Er hat einen tollen Platz als Therapiepferd gefunden, wo er vielen vielen Menschen helfen konnte. Wir bekommen jedes Jahr ein Foto von ihm. Er ist heute 30 Jahre alt.

Wer sind heute Deine Pferde und kannst Du sie in ein paar Worten charakterisieren?
Ich habe viele verschiedene Pferde, die wichtigsten sind allerdings die zwei denen auch jeweils eine Decke von uns gewidmet wurde.

Helgi vom Berghof

Er ist der Beste, einfach der Allerallerbeste in Allem. Der Ausnahmehengst begeistert mit seinem spektakulären Trab, für den er 2018 mehrfach die Note 10 erhalten hat. Seine Nachzucht ist auch sehr viel versprechend. Ihm gehört die erste Decke unserer Zusammenarbeit – Türkis mit edlem Silber perfekt passend für einen Graufalben.

Zwar gibt es die #Helgi Decke nicht mehr, aber wie wärs mit einer anderen Sportsfreund Abschwitzdecke?

Fagri-Blakkur frà Nedra-Ási

Fagri ist mein Ruhepol. Er war immer schon so unfaßbar höflich, vernünftig und erwachsen. Wenn ich mal nicht so gut drauf bin oder müde, dann schnapp ich mir den Fagri und genieße es, ihn nur durchzuputzen und noch schöner zu machen als er eh schon ist. Dann geht’s mir gleich wieder besser. Mit ihm kann ich einfach nur rumeumeln. Dabei läuft er vielleicht nicht so cool, macht aber trotzdem Spaß.

Fagri ist für mich gar nicht zwingend nur der Sport und Beruf, sondern er ist auch mein Hobby. Auch wenn er ein ganz tolles Pferd ist mit einer Wahnsinns Gangqualität. Wenn ich den reite, dann fühlt er sich an wie mein liebstes Hobby.

 

Was ist der Unterschied zu Helgi?

Helgi ist viel mehr Beruf, weil er als Hengst Stuten haben soll und sich bewähren und beweisen muss. Der Fagri muß niemanden überzeugen, nur mich und das tut er eh schon, indem er mich süß ankuckt.

Was bedeutet dir die Arbeit mit den Pferden?

Die Arbeit mit den Pferden bedeutet mir alles. Mein ganzes Leben besteht aus der Arbeit und allem rund ums Pferd. Wenn ich nicht am Stall bin, ist es schrecklich. Ich habe das Gefühl, ich verpasse etwas, es ist wie eine Sucht. Ich kann keinen Tag weg sein. Urlaub ist ok, aber wenn ich gefragt werde, ob wir mal was unternehmen wollen, einen Tag oder nur einen halben, dann zögere ich schon…

Ich liebe es, Hufe zu ölen, Pferde zu waschen, zu putzen und überhaupt zu schauen, dass der Hof in Ordnung ist. Bei Kackwetter am Wochenende räume ich die Sattelkammer auf und sortiere alles. Zu Hause in meiner Wohnung ist es leider nicht so ordentlich! Die Arbeit hier und das ganz Drumherum ist viel wertvoller als das Turnierreiten – das macht zwar Spaß, aber mein Genuss und Inhalt sind die Tage am Stall.

Eigentlich war ich entschlossen, nach der Schule einmal etwas Vernünftiges zu lernen. Als ich aber den Katalog mit den Studiengängen ansah, fand ich alles uninteressant. Ich bin keine gute Lernerin. Ich muss nichts anfangen, was mich nicht interessiert, dann schaff ich´s eh nicht. Soviel war mir klar. Also doch die Pferde! In der Arbeit und dem Umgang mit ihnen finde ich mein persönliches „Zuhause“.

Welche Ziele verfolgst du mit deinen Pferden?

Mein allgemeines Ziel ist ein harmonisches Miteinander und ein beidseitiges Wohlfühlen bei der Arbeit.

Mein konkretes Ziel ist die WM mit Helgi. Mit ihm bin ich ja schon viel weiter als mit den anderen Pferden. Für die habe ich das Ziel, dass sie immer besser werden bzw richtig toll. In ihnen steckt ganz viel Hoffnung drin.

Mit Fagri ist ein Ziel aus sportlicher Sicht die LK1 zu erreichen. Die hat er noch nicht, aber ich glaube an ihn. (2021 haben sie die LK1 erreicht) Reiterlich will ich immer so gut harmonieren mit ihm und ich wünsche mir, dass wir uns weiter so lieb haben. Und noch besser gemeinsam werden. Das „Problem“ ist, ich bin so zufrieden mit ihm, so dankbar, dass ich ehrlich gesagt kaum Ziele habe. Das steht uns vielleicht im Wege für einen schnelleren Erfolg. Wäre er ein Berittpferd, wäre er sicher schon weiter. Natürlich will ich mit Fagri gerne toll im Sport sein – heute hab ich Zirkustricks mit ihm geübt, er kann jetzt scharren auf Kommando!! Fagri bringt einfach das Wendygirl in mir heraus.

Wie beschreibst Du Deine Arbeit mit den Pferden?

Mit jedem Pferd ist es eine neue Aufgabe, ob Berittpferd oder Jungpferd. Schwierige Pferde sind zwischendrin schöne Herausforderungen, aber wunderschön ist es auch mit einfachen, bei denen alles funktioniert.

Bei der Arbeit bin ich sehr genau. In der Halle gucke ich jede Runde in den Spiegel, wie mein Sitz ist, und korrigiere mich ständig. Ich bin sehr ehrgeizig, nicht nur in Hinblick auf den Sport, sondern um ständig besser zu werden. Ich will alles perfektionieren. Ich bin ziemlich streng mit mir.

Mit den Pferden bin ich auch streng, ich will aber fair bleiben dabei. Ich würde von einem Jungpferd kein perfektes Kruppeherein fordern, solange es den Schenkel noch nicht richtig verstanden hat. Ich versuche die Übungen aufs Pferd anzupassen, auf sein Alter, seine körperlichen Möglichkeiten, dann will ich sie aber korrekt haben. Auch wenn sie es kurz mal doof finden. Mir reichen dabei am ersten Tag 2-3 Schritte, dann ist es schon gut. Am nächsten sind es vielleicht schon fünf Schritte. Ich lasse den Pferden gerne Zeit.

Ich habe viel Geduld, manchmal vielleicht zu viel, vor allem beim Übergang vom Jungpferd zum Reitpferd. Das fällt mir gerade bei meinen eigenen sehr schwer, zu sehen, wann der Punkt da ist, und dann entsprechend zu fordern. Fagri hat zum Beispiel immer so viel mehr gegeben, als er eigentlich ausgebildet war. Es war ein schwieriger Schritt für mich, das endlich anzunehmen und ihm zu sagen, dass wir die Übungen ab jetzt korrekter machen müssen.

Wie baust du dein Training auf, hast du immer einen Plan im Kopf?

Immer mit Plan, aber auch mit guter Laune

Im täglichen Training habe ich meistens einen Plan. Der hängt dann vom vorherigen Training ab. Allerdings machen mir die Pferde gerne einen Strich durch die Rechnung. Dann geht der Plan nicht auf und er wird halt wieder über den Haufen geworfen.

Ein gutes Training kann ganz unterschiedlich aussehen. Entweder wir widmen uns einem Problem, das während der Arbeit gelöst werden kann. Oder wir wiederholen Übungen, die so gefestigt sind, dass sie immer einfach und leicht abzurufen sind. Oder wir erarbeiten neue Lektionen.

Hast du Vorbilder?

Das ist eine doofe Frage wie aus dem Freundschaftsbuch.
Direkte Vorbilder habe ich keine. Mit Sicherheit schaue ich zu einigen Menschen auf für gewisse Fähigkeiten, nicht nur reiterliche. Selbstbewusstsein und Strukturiertheit bewundere ich zum Beispiel.

Andersrum: Ich weiß, wie ich nicht sein möchte, wie ich meine Pferde nicht trainieren möchte, wie ich nicht unterrichten möchte. Aber fragt mich jetzt nicht nach Namen!

Grundsätzlich möchte ich einfach gerne alles selbst herausfinden und mein eigenes Ding machen.

Welches Pferd würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Oh, das ist gemein zu entscheiden. Ich liebe alle meine Pferde, jedes ist so einzigartig und ich wollte keines missen. Also, darf ich bitte alle auf die Insel mitnehmen?

Welchen Geheimtipp kannst du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben?

Habt eure Pferde lieb und zeigt es ihnen auch, sie werden es euch zurückgeben. Habt immer den Ehrgeiz, besser zu werden. Damit meine ich aber nicht sportlichen Erfolg, sondern alltägliche Dinge wie Geduld, reiterliches Können und Vertrauen.

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