Hitzeregulierung und Schwitzen bei Pferden

Pferde Schwitzen und Thermoregulierung

Gerade bei Robustpferden mit dicker Haut und dickem Fell kommt der Hitzeregulierung eine besondere ­Bedeutung zu. Unter Umständen ist sie sogar der ­limitierende Faktor, wenn es um besondere Ausdauerleistungen geht. Muskelarbeit erzeugt als ­Nebenprodukt Wärme, die den Körper erwärmt und ­wieder ­abgeleitet wird. Um eine Überhitzung und ­damit Kreislaufprobleme bis zum Kollaps zu vermeiden, ­stehen dem Organismus verschiedene Mechanismen der Thermoregulierung zur Verfügung.

a) Schwitzen

Als Reaktion auf die Erhitzung seines Körpers fängt das Pferd zu schwitzen an. Wenn das Wasser im Schweiß verdunstet, entsteht die sogenannte Verdunstungskälte, die wiederum der Kühlung des Organismus dient. Rund 60 % der Kühlleistung findet auf diesem Weg statt. Die Effektivität dieses Mechanismus hängt vor allem vom herrschenden Wetter ab. Bei heißem aber auch ­kaltem, trockenem Wetter funktioniert er am besten, bei ­feuchtem am schlechtesten. Hier ist die Luft schon feuchtigkeitsgesättigt und kann kein zusätzliches ­Wasser mehr aufnehmen. So kann es passieren, dass ein Pferd bei heißem aber trockenem Wetter weniger erhitzt ist als bei kühlem aber feuchtem. Schwitzen ist gesund und kann durchaus ein Zeichen von guter ­Fitness sein. Mit fortschreitendem Training werden nämlich auch mehr Schweißdrüsen ausgebildet für höhere Kapazitäten in der Thermoregulierung.

b) Atmung

Beim Ausatmen wird nicht nur Kohlendioxid ausgeschieden sondern auch Wärme. Die erhitzte Atemluft wird ausgeschieden und durch kühle frische Luft beim ­Einatmen ausgetauscht, die den Körper wiederum kühlt. Dieser Mechanismus deckt rund 33% der Kühlleistung ab. Ein Bedarf an Kühlung zeigt sich durch eine ­beschleunigte Atmung. Diese hohe Atemfrequenz ist Islandpferdereitern und Hundebesitzern bekannt als das Hecheln (die allermeisten Pferderassen kennen das nicht!). Hecheln ist nicht zu verwechseln mit Außer-Atem-Sein. Es dient der Unterstützung des Kühlsystems, gerade wenn es aufgrund von Haut- und Felldicke ­zusätzliche Kapazitäten braucht.

c) Wärmestrahlung

Radiation ist die Abgabe von Körperwärme über die Oberfläche. Hier spielt die Differenz zur Außentemperatur ein Rolle. Niedrige Grade und flotter »Fahrtwind« sind hilfreich. Dichtes Fell, dicke Haut und eine Fettschicht behindern die Abgabe. Aus diesem Grund hilft eine Schur vor allem an Brust und Hals.

d) Wärmeleitung

Bei diesem System der Hitzeregulierung sorgt der ­Kontakt der warmen Körperoberfläche mit kalter Materie für Abkühlung. Die gängigsten Methoden sind Eisbandagen und das Abwaschen mit kaltem Wasser. ­Anzeichen der Überhitzung sind Erschöpfung, gleichbleibend ­hoher Puls und Temperatur über 40 Grad.

e) Wärmekonvektion

Erwärmtes Blut wird über die Venen in die Kapillaren an der Oberfläche geführt, dort abgekühlt und wieder ins Innere zurückgeführt. Auch diese Form der Kühlung funktioniert besonders gut bei Rassen mit dünner Haut. Man kennt die Bilder z.B. von Vollblütern im Sport, deren Haut sichtbar von Blutgefäßen durchzogen ist. Bei Isländern wiederum gibt es diesen Anblick nicht, ­weshalb ihnen diese Form der Kühlung in geringerem Maße zu Verfügung steht.

Man kann mit Training die Kapazität der Thermoregulierung verbessern:

Abbau von Fett als Isolierschicht.

Ausbau des Herz-Kreislauf-Systems, dadurch effektiverer Abtransport von Wärme über die Blutgefäße. ­Ausbau des aeroben Systems, Energiegewinnung durch Fettverbrennung produziert weniger Wärme, Aufbau von ­Muskeln, effizientere Energienutzung und weniger Abwärme.

Reiten in konstantem Tempo fördert tiefes, regelmäßiges Ein- und Ausatmen und damit den Wärmeaustausch ­Ausdauertraining fördert die Bildung zusätzlicher Schweißdrüsen für die Verdunstungskühlung.

Als Reiter kann man seinem Pferd helfen sich ­abzukühlen, indem man es führt, weil in der Bewegung sämtliche Prozesse des Wärmeabtransports besser funktionieren. In Ruhe kommt es zu dem sogenannten Nachschwitzen: der Wärmeabtransport aus dem Inneren verlangsamt sich, und dem Pferd wird es wieder heißer. Kompensiert wird das Ganze durch vermehrtes Schwitzen.

Eine äußerst effektive Unterstützung ist das Kühlen durch Abspritzen oder kalte Wassergüsse. Wichtig ist, dass man das im Kontakt mit dem Pferd erhitzte ­Wasser immer ­wieder entfernt.

Eine Ausdauerleistung ist demnach eng verbunden mit den Möglichkeiten der Hitzeregulierung. Islandpferde können im Distanzsport zwar mühelos die gleichen ­Strecken gehen wie arabische Pferde, aber in deutlich langsamerem Tempo. Das liegt nicht daran, dass sie nicht so schnell flitzen können, sondern dass sie sich nicht so schnell abkühlen können.

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