Wer regelmäßig in der Islandpferdeszene unterwegs ist, kennt das Bild: eine Abschwitzdecke, die bis zum Sprunggelenk herabhängt, vorne die Brust freilässt und irgendwie trotzdem als normal gilt. Diese Sehgewohnheit hat sich über Jahre so tief eingeprägt, dass eine wirklich passende Decke auf den ersten Blick fast schon zu klein wirkt. Wir wollten diesen Artikel schreiben, weil wir genau das immer wieder beobachten, auf Turnieren, in Online-Shops und in den Fragen, die uns unsere Kundinnen stellen. Denn eine Abschwitzdecke, die nicht sitzt, ist nicht einfach Geschmackssache. Sie erfüllt ihre Aufgabe nicht.
Warum die Passform einer Abschwitzdecke so wichtig ist
Eine Abschwitzdecke hat eine ganz eigene Aufgabe: Sie unterstützt direkt nach dem Training die Verdunstung von Schweiß und schützt euer Pferd dabei vor Auskühlung.
Gute Abschwitzdecken transportieren die Feuchtigkeit schnell nach außen, wo sie verdunstet. Gleichzeitig wärmt die Decke euer Pferd, solange es noch nass ist. Denn ist es nach dem Training abgekühlt, friert es bei kalten Temperaturen aufgrund des nassen Fells leicht. Damit steigt auch das Risiko für Erkältungen oder Verspannungen.
Am stärksten schwitzt ein Pferd an Hals und Brust. Genau dort sollte die Abschwitzdecke dicht anliegen. Gerade in diesem Bereich sind viele Abschwitzdecken unsinnig tief ausgeschnitten. Wo eine Decke nicht aufliegt, kann sie auch nicht abschwitzen.
Eine falsch sitzende Abschwitzdecke ist damit nicht einfach nur unpraktisch, sie verfehlt ihre eigentliche Funktion komplett. Lässt die Decke Brust und Hals frei, könnt ihr sie euch eigentlich sparen.

Wie funktioniert eine Abschwitzdecke?
Das Prinzip ist einfach: Die Decke saugt Schweiß auf und transportiert die Feuchtigkeit nach außen, wo sie verdunstet. Wie schnell das gelingt, hängt von der Außentemperatur, der Luftfeuchtigkeit, der Trainingsintensität und vor allem vom Material der Decke ab.
Fleece ist hier die klassische Lösung: günstig, in vielen Farben erhältlich und ein guter Feuchtigkeitsaufnehmer.
Noch besser eignet sich allerdings Wolle, vor allem wegen ihrer temperaturregulierenden Eigenschaften. Eine Wool Rug bringt das Pferd nicht zusätzlich zum Nachschwitzen. Sie muss weniger Schweiß aufsaugen, sodass das Pferd tatsächlich schneller trocknet. Zudem schmiegt sich Wolle enger an den Pferdekörper an. Das verbessert die Passform zusätzlich und beschleunigt so das Abschwitzen weiter.
Nach etwa 30 Minuten hat das Pferd meist abgeschwitzt, oder die Decke ist vollgesogen und muss ausgetauscht werden. Deshalb ergibt es auch keinen Sinn, das Pferd mit einer Abschwitzdecke länger in den Paddock zu stellen. Kann sie keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen, wird die Decke nur kalt und klamm. Klassische Abschwitzdecken sind nicht für den Gebrauch in Paddock und Offenstall gemacht.
Genau darin unterscheidet sich die Abschwitzdecke grundlegend von einer Rain Rug: Während eine Regendecke Wind und Bewegung im Offenstall oder auf der Weide standhalten muss, kommt die Abschwitzdecke nur kurz zum Einsatz, meist während das Pferd ruhig steht oder angebunden ist. Deshalb sind Kreuzgurte hier auch nicht zwingend notwendig, auch wenn viele sie für unverzichtbar halten. Im Stehen entsteht kaum Zug, der die Decke verrutschen lassen könnte. Erst bei Bewegung im Freien, wie bei einer Regendecke, gewinnen Kreuzgurte wirklich an Bedeutung.

Die häufigste Fehlerquelle: Die Abschwitzdecke ist zu groß
In der Islandpferdeszene hat sich über die Jahre eine Tendenz etabliert: lieber zu einer größeren Deckengröße greifen, etwa 135 oder 145, statt zur tatsächlich passenden, kleineren Größe. Manchmal wirkt es fast, als ginge es dabei auch darum, im Wettbewerb zu beweisen, dass das eigene Pferd das allergrößte ist. Doch nur weil das Pferd 147 cm groß ist, braucht es noch lange keine Warmblutdecke.
Warum in der Islandpferdeszene zu große Abschwitzdecken als normal gelten
Gängige Islandpferdemarken präsentieren auf ihren Produktbildern Abschwitzdecken fast immer viel zu groß. Bei der Recherche für diesen Artikel ist uns aufgefallen, wie unterschiedlich Abschwitzdecken bei Großpferden und Islandpferden dargestellt werden. Warmblüterdecken sitzen perfekt geschlossen und hängen gleichmäßig in einer geraden Linie vom Pferd herab. Isländer werden dagegen mit Decken präsentiert, die die Brust bis zum Buggelenk freilassen und an der Kruppe kaskadenartig bis zum Sprunggelenk herabhängen.
Etabliert hat sich außerdem die Siegerdecke als Geschenk für die Gewinnerin einer Preisprüfung. Sponsoren sparen sich dabei eine nette Summe Geld, indem sie eigens besonders günstige Decken beispielsweise bei Alibaba einkaufen. Solche Decken sind oft so überdimensioniert, dass sie fürs Abschwitzen völlig unbrauchbar sind. Was für uns vielleicht eine nette Erinnerung wäre, ist für Turnierprofis oft nur die hundertste Decke: Sie landet entweder direkt in der Ecke oder dient als Schmuddeldecke in der Box, bis sie nach dreimaligem Wälzen im Müll landet.
An dieser Stelle möchten wir Turnierveranstalter für diese unnötige Ressourcenverschwendung kritisieren. Wir regen an, auf solche qualitativ minderwertigen Sachpreise zu verzichten. Eine Tombola wäre eine sinnvollere Alternative: So könnten sich auch Turniergäste freuen, die noch nicht so viel besitzen.
So entsteht eine Sehgewohnheit, wie eine Abschwitzdecke sitzen soll. Bei einer wirklich passenden Decke wie unserer führt diese Gewohnheit dann verständlicherweise zu Irritation bei Kundinnen, die ihre erste Decke kaufen. Genau deshalb wollten wir diesen Artikel schreiben: um sinnvoll darüber aufzuklären, was euer Pferd wirklich braucht.

Die richtige Deckengröße für Islandpferde: So bestimmt ihr die Rückenlänge
Die Rückenlänge wird vom Widerrist (hier gemeint: Ende der Mähne) bis zur Schweifrübe gemessen. Sie variiert bei Islandpferden nur minimal. Ähnlich wie bei der Sattelgröße tragen die meisten Isländer unabhängig von ihrem Stockmaß eine vergleichbare Deckengröße. Warum sollte es bei einer Decke also anders sein?
Die korrekte Länge endet an der Schweifrübe. Eine passend geschnittene Decke hängt gleichmäßig vom Bauch des Pferdes herab.
Was eine zu große Abschwitzdecke am Pferd wirklich anrichtet
Eine zu große Decke bringt keinen Vorteil. Der überschüssige Stoff staut sich, wirft Falten und lässt die Decke seitlich verrutschen. Selbst Kreuzgurte helfen dann nicht mehr bei der Stabilisierung. Der Stoff flattert bei jeder Bewegung, bietet aber keinen zusätzlichen Schutz, sondern nur ein erhöhtes Risiko, sich beim Laufen oder Stolpern darin zu verfangen.
Zu weiter Halsausschnitt: Warum Hals und Brust bedeckt sein müssen
Zu große Decken rutschen entweder nach hinten oder haben von Haus aus einen zu großen Halsausschnitt. Der Halsausschnitt ist bei einer Abschwitzdecke besonders entscheidend, denn Hals und Brust gehören zu den Körperregionen, die am stärksten schwitzen und deshalb am dringendsten mitbedeckt werden müssen. Bleibt dieser Bereich frei, kann die Decke ihre Kernfunktion, das Abschwitzen zu unterstützen, kaum noch erfüllen.
Ein zu weites Halsteil bildet oft einen beutelartigen Hohlraum. Dort kann kalte Luft eindringen, sodass das Pferd an dieser Stelle nicht richtig abschwitzt, obwohl die Decke äußerlich alles bedeckt.
Gewicht und Stoffzug als Passformproblem
Nicht nur bei Paddockdecken, auch bei Abschwitzdecken kann zu schwerer Stoff zum Problem werden. Das Gewicht zieht die Decke nach hinten, wodurch Zug an Widerrist, Brust und entlang der Beine entsteht. Dieser Effekt verstärkt sich zusätzlich, wenn die Decke gleichzeitig zu groß gewählt wurde, denn mehr Stoff bedeutet auch mehr Gewicht, das nach hinten zieht.
Merke: Größer ist nicht gleich bequemer
Nur weil eine Decke zu groß ist, heißt das nicht, dass sie bequem sitzt oder keine Druckstellen verursacht. Der zusätzliche Stoff sammelt sich, verschiebt sich und verdreht sich. So entstehen neue Druckpunkte, die bei einer passenden Decke gar nicht erst auftreten würden. Wie ihr Druckstellen am Widerrist erkennt und welche Folgen sie für euer Pferd haben können, erklären wir ausführlich in unserem Regendecken-Artikel.
Fehlerquelle: Die Abschwitzdecke ist zu klein
Zugegeben, dieser Fehler passiert viel seltener, kann aber natürlich vorkommen. Solange das nur bedeutet, dass die Decke etwas kürzer am Po sitzt oder ein runder Bauch ein wenig weiter herausschaut, ist das rein optisch ein Mangel. Auf die Funktion der Abschwitzdecke hat es keinen Einfluss.
Anders sieht es aus, wenn der Halsausschnitt zu eng wird: Das Pferd fängt an zu würgen, oder seine Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt. In diesem Fall ist von dem Schnitt abzuraten.

High-Neck-Ausschnitt: Warum der Schnitt der Pferdeanatomie folgen muss
Ein häufiger Konstruktionsfehler entsteht, wenn der vordere, hochgeschnittene Teil der Decke gerade zugeschnitten wird, ohne die anatomische Krümmung zwischen Widerrist und Hals zu berücksichtigen.
Da der Pferdehals in einer Kurve aus dem Widerrist heraus nach oben wächst, kann eine gerade Schnittkante dieser gewölbten Körperform nicht folgen. Das Material staut sich stattdessen am Übergang, legt sich in Falten und erzeugt genau dort Zug und Druck am Widerrist. Gleichzeitig kann ein zu enger Ausschnitt am Hals würgen oder an der Brust scheuern.
Wenn die Decke gleichzeitig zu groß und zu klein ist
Ein besonders tückischer Fall tritt auf, wenn eine Decke an manchen Stellen zu groß und an anderen gleichzeitig zu klein ausfällt: etwa wenn sie vorne zu lang und zu eng zugleich wirkt, während sie hinten zu kurz ausfällt und die Kruppe unbedeckt lässt. In so einem Fall passt buchstäblich nichts richtig. Die Decke engt am Widerrist ein, drückt und scheuert am Buggelenk, zieht gleichzeitig an der Brust. Solche Passformprobleme entstehen häufig, wenn eine Decke offensichtlich für eine andere Pferdeanatomie konzipiert wurde und lediglich in der falschen Größe gewählt wird, statt auf das individuelle Rückenmaß des Pferdes abgestimmt zu sein.

Verschlüsse: Ein unterschätzter Passformfehler
Auch die Verschlüsse selbst können zum Problem werden, wenn sie unter Spannung aufklaffen, statt sicher zu schließen, oder sich nicht an unterschiedliche Halsdicken anpassen lassen. Ein guter Verschluss dagegen sitzt weder zu eng noch zu tief und lässt sich flexibel auf den individuellen Hals einstellen.

Passform der Abschwitzdecke am Faltenwurf erkennen
Auch bei Abschwitzdecken verraten Falten viel über die Passform: Weiche, ungerichtete Falten deuten auf eine zu große Decke hin, straffe, gerichtete Spannungsfalten auf eine zu enge. Wie genau ihr diese beiden Faltenarten unterscheidet und was als normale Bewegungsfalte gilt, erklären wir ausführlich in unserem Artikel zur Passform von Regendecken.
Checkliste: So sollte eine Cooler Rug richtig sitzen
- Rückenlänge korrekt bemessen: Die Decke endet knapp an der Schweifrübe.
- Seitenlänge angemessen: Das Gewicht verteilt sich gleichmäßig über beide Körperseiten.
- Hochgeschlossener Halsausschnitt: Die Decke liegt an Hals und Brust gleichmäßig an und unterstützt so das Abschwitzen.
- Halsteil liegt gleichmäßig an und schließt sicher ab.
- Anatomisch geformter Ausschnitt: Der Schnitt folgt der Krümmung zwischen Widerrist und Hals, statt gerade verlaufend Zug zu erzeugen.
- Keine aufklaffenden Verschlüsse: Sie sitzen sicher und lassen sich an unterschiedliche Halsdicken anpassen.
- Kein spürbarer Zug oder Druck, weder am Widerrist noch an Brust oder Buggelenk.
Das Ergebnis: schnelleres Abschwitzen. Eine gut geschnittene Decke saugt mehr Schweiß auf und hilft eurem Pferd so, schneller zu trocknen.
Eine Abschwitzdecke, die diese Punkte erfüllt, unterstützt euer Pferd tatsächlich beim Trocknen, statt einfach nur Dekoration zu sein. Wenn ihr beim Kauf gezielt auf diese Merkmale achtet, erspart ihr euch und eurem Pferd unnötige Fehlkäufe und Unbequemlichkeiten.
Cooler Rug BASIC Pine|Moss
Wir haben eine perfekt sitzende hochgeschlossene Abschwitzdecke mit höchster Funktionalität entwickelt. Einzigartiger hochgeschlossener Schnitt, der die am stärksten schwitzende Körperregion…
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